Zeitarbeit für Psycholog*innen: flexibel arbeiten und neue Erfahrungen sammeln

Fällt in einer Klinik oder Rehaeinrichtung kurzfristig eine Psychologin oder ein Psychologe aus, entsteht schnell eine schwierige Situation. Therapietermine sind bereits vereinbart, Patient*innen müssen weiter betreut werden und das vorhandene Team kann zusätzliche Aufgaben häufig nur begrenzt auffangen.

Temporäre Einsätze können hier eine Lösung sein. Seit 2022 vermittelt die Facharztagentur neben Ärzt*innen auch Diplom-Psycholog*innen und approbierte Psychologische Psychotherapeut*innen in befristete Einsätze.

Doch wie funktioniert Zeitarbeit für Psycholog*innen eigentlich? Welche Einrichtungen suchen Unterstützung und für wen ist dieses Arbeitsmodell interessant?

Für diesen Beitrag haben wir mit Olgica Gotthardt, Diplom-Psychologin, gesprochen. Sie kennt sowohl die psychologische Arbeit als auch die Anforderungen, die bei einer erfolgreichen Vermittlung zusammengebracht werden müssen.

Wo werden Psycholog*innen temporär eingesetzt?

Der Bedarf ist vielfältig. Besonders häufig kommen temporäre Einsätze beispielsweise in

  • psychosomatischen Kliniken,
  • Rehaeinrichtungen und
  • Mutter-Kind-Einrichtungen

zustande.

Die Patient*innen werden dort unter anderem aufgrund von Depressionen, Burn-out, Angststörungen, Abhängigkeitserkrankungen, Persönlichkeitsstörungen oder traumatischen Erfahrungen behandelt.

Warum Einrichtungen dabei auf Zeitarbeit zurückgreifen, ist unterschiedlich. Häufig geht es um Krankheitsvertretungen, dauerhaft unbesetzte Stellen oder das vorhandene Stammpersonal in besonders arbeitsintensiven Phasen zu entlasten.

Gerade im psychologischen Bereich lassen sich Ausfälle nicht einfach dadurch auffangen, dass vereinbarte Termine mehrere Wochen verschoben werden. Therapieangebote und Behandlungspläne müssen möglichst verlässlich fortgeführt werden.

Fachliche Qualifikation allein reicht nicht aus

Welche Qualifikation benötigt wird, hängt stark von der jeweiligen Einrichtung und deren Behandlungsschwerpunkten ab.

Gefragt sein können beispielsweise Erfahrungen mit kognitiver Verhaltenstherapie, systemischer Therapie, Gestaltungstherapie oder unterschiedlichen Therapieangeboten rund um Stress, Burn-out und psychische Belastungen.

Mindestens genauso wichtig sind für temporäre Einsätze jedoch die persönlichen Fähigkeiten.

„Man muss offen, empathisch und flexibel sein und sich wie ein Chamäleon auf neue Gegebenheiten einstellen können.“, so beschreibt Olgica Gotthardt eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Arbeit in wechselnden Einrichtungen.

Neue Kolleg*innen, neue Vorgesetzte, unterschiedliche Patientengruppen und teilweise völlig andere Arbeitsabläufe sind bei temporären Einsätzen Standard. Wer sich schnell auf neue Situationen einstellen kann, hat deshalb einen erheblichen Vorteil.

Das richtige Matching entscheidet

Bei einer erfolgreichen Vermittlung geht es nicht darum, einen freien Zeitraum mit einer verfügbaren Person zusammenzubringen. Vor einer Vorstellung müssen zunächst wichtige Fragen geklärt werden: Wo liegt der fachliche Schwerpunkt der Einrichtung? Welche Aufgaben soll die Vertretung konkret übernehmen? Mit welchen Patientengruppen wird gearbeitet? Wie ist das Team organisiert? Welche Erwartungen haben beide Seiten?

Olgica Gotthardt bringt es so auf den Punkt:

„Wenn von Anfang an offen kommuniziert wird und beide Seiten wissen, was sie erwartet, schafft das die beste Grundlage für einen erfolgreichen Einsatz.“

Vor einer Vermittlung prüfen wir die relevanten beruflichen Dokumente. Darüber hinaus findet in der Regel ein fachliches Gespräch zwischen dem oder der Psycholog*in und den Verantwortlichen der Einrichtung statt.

Nach dem ersten telefonischen Kontakt werden Wünsche, Verfügbarkeiten und Rahmenbedingungen geklärt. Gibt es eine passende Vakanz, erfolgt nach Rücksprache die Vorstellung bei der Einrichtung. Auch während und nach dem Einsatz bleiben wir Ansprechpartner für beide Seiten.

Zeitarbeit kann sehr kurzfristig helfen

Wie schnell eine solche Vermittlung funktionieren kann, zeigt ein Beispiel aus einer Mutter-Kind-Einrichtung.

Dort fiel kurzfristig eine psychologische Fachkraft für rund zwei Monate aus. Zahlreiche Therapiestunden waren zu diesem Zeitpunkt bereits fest terminiert. Für die Einrichtung bedeutete das: Innerhalb kürzester Zeit musste Ersatz gefunden werden, damit die geplanten Therapieangebote weiterhin stattfinden konnten.

Innerhalb von zwei Tagen konnten wir eine passende Vertretung stellen.

Der Einsatz verlief erfolgreich und die eingesetzte Person erhielt von der Einrichtung äußerst positives Feedback.

Gerade solche Situationen zeigen, welchen konkreten Nutzen eine professionelle Personalvermittlung im Gesundheitswesen haben kann: Nicht jede Vakanz lässt sich langfristig planen. Manchmal entsteht der Bedarf innerhalb kürzester Zeit.

Was machen Psycholog*innen während eines temporären Einsatzes?

Die konkreten Aufgaben richten sich nach der jeweiligen Einrichtung. Typische Tätigkeiten sind beispielsweise:

  • therapeutische Einzelgespräche,
  • Gruppengespräche,
  • Resilienzarbeit,
  • therapeutische Maßnahmen sowie
  • psychoedukative Gruppenschulungen.

Dazu können unter anderem Angebote zur Stressbewältigung, Problemlösung oder zum Umgang mit Adipositas gehören.

Einsätze dauern häufig mehrere Monate. Dabei sind sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitmodelle möglich.

Wie kurzfristig ein Einsatz beginnen kann, hängt insbesondere von der Flexibilität der Psycholog*innen und den organisatorischen Möglichkeiten der Einrichtung ab. In einzelnen Fällen ist ein Einsatzbeginn tatsächlich direkt am Folgetag möglich.

Warum entscheiden sich Psycholog*innen für Zeitarbeit?

Einer der größten Vorteile ist die Flexibilität.

Psycholog*innen können unterschiedliche Einrichtungen, Behandlungsschwerpunkte, Teams und Arbeitsweisen kennenlernen, ohne sich unmittelbar langfristig an einen Arbeitgeber zu binden.

Das kann beispielsweise interessant sein für Menschen, die

  • sich beruflich zunächst noch nicht dauerhaft festlegen möchten,
  • sich zwischen zwei Festanstellungen befinden,
  • verschiedene Einrichtungen kennenlernen möchten oder
  • bewusst neue berufliche Erfahrungen suchen.

Auch die Vergütung kann ein Argument für temporäre Einsätze sein.

Für Olgica Gotthardt liegt ein wesentlicher Reiz aber insbesondere in den Erfahrungen, die man unterwegs sammelt:

„Man lernt unterschiedliche Kliniken und Arbeitsweisen kennen und findet auf diesem Weg vielleicht sogar die Einrichtung, in der man später dauerhaft arbeiten möchte.“

So kann aus einem temporären Einsatz eine langfristige Zusammenarbeit entstehen.

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Zeitarbeit hat auch Herausforderungen

Zur Wahrheit gehört allerdings: Dieses Arbeitsmodell passt nicht zu jedem.

Wechselnde Kolleg*innen und Vorgesetzte gehören genauso dazu wie die Tatsache, regelmäßig in einer neuen Umgebung anzufangen. Wer für einen Einsatz weiter vom eigenen Wohnort entfernt arbeitet, muss außerdem zeitweise auf das gewohnte Heim verzichten. Gebuchte Unterkünfte entsprechen nicht immer den eigenen Wunschvorstellungen und nicht jede externe Fachkraft wird in einem bestehenden Team vom ersten Tag an mit offenen Armen empfangen.

Auf Seiten der Einrichtungen gibt es ebenfalls Vorbehalte. Temporär beschäftigten Psycholog*innen wird teilweise unterstellt, dass ihnen die Identifikation mit der Einrichtung fehlt oder dass ausschließlich die höhere Vergütung ausschlaggebend sei.

Gleichzeitig stehen viele Einrichtungen vor einem wirtschaftlichen Problem: Die Budgets sind begrenzt, während die Gehaltsvorstellungen qualifizierter Fachkräfte gestiegen sind.

Eine transparente Kommunikation vor dem Einsatz ist deshalb umso wichtiger.

Auch Einrichtungen profitieren von externen Erfahrungen

Temporär eingesetzte Psycholog*innen schließen nicht nur kurzfristige Personallücken.

Sie bringen Erfahrungen aus anderen Einrichtungen, Arbeitsweisen und Teams mit. So entstehen neue Perspektiven und bestehende Prozesse können hinterfragt werden.

Für Einrichtungen ergeben sich insbesondere drei Vorteile: Personalengpässe lassen sich überbrücken, das Stammpersonal kann entlastet werden und gleichzeitig entsteht die Möglichkeit, potenzielle neue Mitarbeitende im Arbeitsalltag kennenzulernen.

Gerade bei Positionen, die über klassische Stellenausschreibungen über längere Zeit nicht besetzt werden können, kann Zeitarbeit deshalb eine zusätzliche Möglichkeit der Personalgewinnung darstellen.

Zeitarbeit für Psycholog*innen: eine bewusste Entscheidung

Temporäre Einsätze bieten Psycholog*innen viel Freiheit und die Möglichkeit, innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit unterschiedliche Einrichtungen und Behandlungskonzepte kennenzulernen.

Sie verlangen aber auch Flexibilität, Offenheit und die Bereitschaft, regelmäßig in neuen Situationen anzukommen. Wer genau diese Abwechslung sucht, kann von diesem Arbeitsmodell profitieren. Für Einrichtungen bietet Zeitarbeit die Möglichkeit, auch kurzfristige oder schwer zu besetzende Vakanzen zu überbrücken und die Versorgung ihrer Patient*innen aufrechtzuerhalten.

Entscheidend für beide Seiten bleibt dabei eines: Eine erfolgreiche Vermittlung beginnt nicht mit dem Lebenslauf, sondern mit der Frage, ob Mensch, Aufgabe und Einrichtung wirklich zueinander passen.